Literarisches Programm

José Manuel Fajardo – „The Hate“

Der Hass, den wir in den sozialen Medien ausbrechen sehen, ist nichts Neues; er bedient sich lediglich neuer technologischer Kanäle. Mit den Mitteln der Literatur legt dieser kurze Roman die wiederkehrenden Muster des Hasses offen. Im 19. Jahrhundert streift ein Hersteller saurer Bonbons durch die nebligen, von Armut geprägten Straßen Londons. Da ihm jede gesellschaftliche Anerkennung versagt bleibt, sinkt er immer tiefer in die Unterwelt der Stadt hinab. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erleben wir in den Pariser Vorstädten, wie sich ein frustrierter junger Mann verändert, der anderen nur mit Wut und Gewalt begegnen kann. Die Spiegelung dieser beiden Figuren macht die Dämonen des Selbsthasses über zwei Epochen hinweg sichtbar, holt sie aus der Anonymität und zeigt die Spuren ihrer verborgenen und tödlichen Wege mitten unter uns. Der Autor vollzieht einen literarischen Exorzismus unserer Zeit. Ein kraftvoller, relevanter und origineller Text.

Moderation: Michi Strausfeld