Und jetzt? Internationaler Kongress des Literatursektors in Zeiten politischer Umbrüche

4. Sitzung: Clara Riso, Sérgio Machado Letria, Christian Lund, Fiona Razvi, Aljaz Koprivnikar, Marella Paramatti, Grzegorz Jankowicz, Michaela Šilpochová

Clara Riso, Lissabon, Portugal:
Über die Casa Fernando Pessoa. Geschichte und zukünftige Herausforderungen

Die Casa Fernando Pessoa – Museum für Literatur wurde am 30. November 1993 eröffnet. Im Jahr 2020 wurde das Museum renoviert und wiedereröffnet. Dabei wurde es modernisiert und besser zugänglich gemacht. Außerdem erhielt es eine neue Dauerausstellung über Pessoa. Die Sammlung ist nach drei zentralen Themen gegliedert: Im 3. Stock geht es um Pessoa als Schriftsteller, mit einem Schwerpunkt auf seiner Heteronymie; im 2. Stock um Pessoa als Leser, ausgehend von seiner Privatbibliothek; und im 1. Stock, wo sich die Wohnung befand, in der er 15 Jahre lang lebte, steht der Mensch Pessoa und die Epoche, in der er lebte, im Mittelpunkt. Das Museum arbeitet täglich daran, ein vielfältiges Programm anzubieten und sich als ein einladender Ort zu etablieren – physisch, sozial und intellektuell –, der Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und unterschiedlichen Kenntnissen über Pessoa und Literatur offensteht. Die Exponate der Casa Fernando Pessoa vermitteln Geschichten und Erinnerungen an Pessoa, an das, was er las, wie er schrieb und an die Zeit, in der er lebte. Bei den Führungen stellen wir zahlreiche Fragen und finden einige Antworten – laut und unmittelbar vor Ort, in der literarischen Umgebung, in der Pessoa einst lebte.

Sérgio Machado Letria:
Vorstellung der José-Saramago-Stiftung

Christian Lund, Louisiana, Dänemark:
Literatur im Video präsentieren. Das Louisiana-Literaturfestival & Louisiana Channel

Wie kann ein Literaturfestival mithilfe digitaler Videos erfolgreich ein riesiges globales Publikum erreichen? Christian Lund wurde 1969 geboren und hat Literatur an der Universität Kopenhagen und an der Akademie für kreatives Schreiben in Kopenhagen studiert. 2010 gründete er das Louisiana Literature Festival und 2012 war er Mitbegründer des Louisiana Channel.

Fiona Razvi, London, Vereinigtes Königreich:
Wer bezahlt die Kultur? Die Zukunft der Festivalfinanzierung

Da Festivals und die Künste zunehmend unter dem Gesichtspunkt ihrer Finanzierung unter die Lupe genommen werden, stellt sich die Frage: Was bedeutet dies für einen Sektor, der über keine stabile Einnahmequelle verfügt? Ausgehend von den Erfahrungen des Wimbledon BookFest mit Sponsoring-Protesten im Vereinigten Königreich untersucht diese Session die Auswirkungen auf Künstlerinnen und Künstler, Publikum und Umsetzung und fragt, wie Literaturfestivals eine nachhaltige Zukunft aufbauen können.

Aljaz Koprivnikar, Ljubljana, Slowenien:
Gemeinsam für die Literatur: Festivalnetzwerke und die Kraft kollektiven Handelns

Netzwerke von Literaturfestivals können neue Möglichkeiten für Schriftstellerinnen, Schriftsteller und Leserinnen und Leser schaffen und zugleich die Fähigkeit des Sektors stärken, sich für nachhaltige Veränderungen einzusetzen. Ausgehend von bestehender Forschung und praktischen Beispielen untersucht dieser Beitrag Versopolis – eine Plattform, die 37 Festivals miteinander verbindet – als Modell der Zusammenarbeit durch Übersetzung, Mobilität von Lyrikerinnen und Lyrikern, gemeinsames Publizieren und berufliche Weiterentwicklung. Dabei wird diese Erfahrung der Arbeit der European Festivals Association sowie dem Vorschlag des Festivals Fabula gegenübergestellt, eine League of European Literary Festivals zu gründen, der zur Förderung durch Creative Europe eingereicht wurde. Die Diskussion wird der Frage nachgehen, wie gemeinsame Ressourcen, Wissen und Erfahrungen zu einer gemeinsamen Interessenvertretung für eine nachhaltige Finanzierung, faire Vergütung, sprachliche Vielfalt, breitere Teilhabe und künstlerische Freiheit werden können. Wirksame Bündnisse können die alltägliche Kulturarbeit mit der politischen Ebene verbinden, indem sie gemeinsame Herausforderungen identifizieren, Belege zusammentragen und Veränderungen anstoßen, für die einzelne Festivals allein nur begrenzte Möglichkeiten haben. Durch gleichberechtigte Zusammenarbeit und gemeinsame Verantwortung können literarische Netzwerke sowohl den internationalen Austausch als auch die Rahmenbedingungen stärken, unter denen vielfältige literarische Gemeinschaften gedeihen können.

Marella Paramatti, Mantua, Italien:
Alterndes Publikum und Strategien zur Einbindung jüngerer Generationen – und das Festivaletteratura in Mantua

Wie können Kulturfestivals auf ein alterndes Publikum reagieren und neue Wege entwickeln, um jüngere Generationen einzubinden? Ausgehend von den Erfahrungen des Festivaletteratura in Mantua werden in diesem Beitrag Strategien und Projekte vorgestellt, die darauf abzielen, junge Leserinnen und Leser stärker in das Festivalgeschehen einzubeziehen. Zugleich wird die umfassendere Herausforderung beleuchtet, das Publikum der Zukunft aufzubauen.

Grzegorz Jankowicz, Krakau, Polen: Braucht das literarische Feld Regulierungen?

Seit vielen Jahren diskutieren Vertreterinnen und Vertreter des polnischen Buchsektors über die Notwendigkeit einer Gesetzgebung zum Schutz des Buchmarktes und der Autorinnen und Autoren. Ist eine solche Regulierung im Zeitalter der KI noch notwendig – oder ist es bereits zu spät?

Michaela Šilpochová, Prag, Tschechische Republik:

Eine Präsentation des Konzepts des FALL Festivals, das vom DOX Centre for Contemporary Art in Prag organisiert wird und sich mit der Rolle von Literaturfestivals bei der Förderung von Empathie und menschlicher Verbundenheit im digitalen Zeitalter beschäftigt.

Moderation: Peter Florence

Sprache: Englisch