
Nouri Al-Jarrah
Der Dichter und Kulturredakteur Nouri al-Jarrah wurde 1956 in Damaskus geboren. Erste Aufmerksamkeit erregte er mit seinem 1982 in Beirut erschienenen Gedichtband The Boy. Es folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter Aligning with the Voice (London, 1988), Ode to a Voice (Köln, 1990), Death’s Childhood (Casablanca, 1992), A Black Glass (London, 1993), Poem and Poem in the Mirror (Beirut, 1995), The Ascent of April (Beirut, 1996), Hamlet’s Gardens (Beirut, 2003), The Road to Damascus und The Persian Garden (beide Beirut, 2004), The Day of Cain (Haifa und Beirut, 2013), Noah’s Despair (Beirut, 2014), Abel’s Elegies (Beirut, 2015), Four Elegies (Istanbul, 2016) sowie Boat to Lesbos, das in neun Sprachen übersetzt wurde. Sein jüngster Gedichtband, La Serpiente de piedra, erschien 2022 in arabischer Sprache bei al-Mutawassit Press sowie in englischer Übersetzung bei Banipal Books. Seine Werke wurden unter anderem in Beirut, Kairo, Algier, London, Haifa, Nikosia und Istanbul veröffentlicht.
Nouri al-Jarrah zählt zu den prägenden Vertretern eines literarischen Modernismus, dessen Konturen sich seit den frühen 1990er Jahren mit der Veröffentlichung seiner Gedichtbände herausbildeten. In seinem Werk entwickelt er eine eigenständige poetische Vision von Dichtung und Leben und formt eine unverwechselbare lyrische Stimme, die er über Jahrzehnte hinweg verfeinert hat. Seine Lyrik schöpft aus vielfältigen kulturellen Traditionen und zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit Mythologie, Volksmärchen und Legenden aus. Zugleich ist sie von metaphysischen Fragestellungen und einer tiefen existenziellen Reflexion geprägt.
Durch sein Engagement für zahlreiche kulturelle Initiativen hat al-Jarrah nicht nur seine eigenen intellektuellen und ästhetischen Perspektiven erweitert, sondern auch die arabische Literatur- und Lyrikszene nachhaltig beeinflusst. Zu den bedeutenden Literaturzeitschriften, die er gründete und leitete, zählen Al-Naqid (The Critic, 1988–1992), Al-Katiba (The Woman Writer, 1993–1995), Al-Rihla (The Journey, seit 1995) und Al-Jadeed (The New, seit 2015). Obwohl diese Zeitschriften aufgrund der eingeschränkten Pressefreiheit in vielen arabischen Staaten in London erschienen, übten sie einen nachhaltigen Einfluss auf die zeitgenössische arabische Literatur und Poesie aus. Seine programmatischen Essays und Leitartikel lösten wichtige Debatten über Erneuerung, Innovation und die Rolle der Literatur aus – Themen, für die er sich gemeinsam mit führenden arabischen Dichterinnen und Dichtern der Gegenwart seit vielen Jahren einsetzt.
Darüber hinaus spielte Nouri al-Jarrah eine maßgebliche Rolle bei der Wiederbelebung der Reiseliteratur in der arabischen Kultur. Im Jahr 2000 gründete er gemeinsam mit Mohammed Ahmed Al Suwaidi das Centre for Arabic Geographical Literature, das den Ibn Battuta Prize for Travel Literature vergibt. In den vergangenen Jahren wurden dort zahlreiche arabische und internationale Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die sich der Reiseliteratur widmen. Das Zentrum besteht bis heute, veröffentlicht Bücher und veranstaltet jährlich eine internationale Konferenz. Ausgewählte Gedichte von Nouri al-Jarrah wurden in zahlreiche asiatische und europäische Sprachen übersetzt. Darüber hinaus sind mehrere seiner Gedichtbände in französischer, spanischer und persischer Übersetzung erschienen.
The Boy
Beirut, 1982
Aligning with the Voice
London, 1988
Ode to a Voice
Cologne, 1990
Hamlet’s Gardens
Beirut, 2003
The Day of Cain
Haifa/ Beirut, 2013
Abel’s Elegies
Beirut, 2015
Four Elegies
Istanbul, 2016