
Johan Öberg
Johan Öberg, geboren 1954, ist Cand. Hum. mit Studien der Literaturwissenschaft, Russistik und Sozialanthropologie sowie einer unvollendeten Abschlussarbeit über den französischen Autor Raymond Queneau. Er bezeichnet sich selbst am liebsten als Essayist und Übersetzer aus dem Russischen, Französischen und Englischen. Zu seinen Übersetzungen gehören philosophische Texte, Lyrik, Kunsttheorie und Prosa (vor allem aus dem Russischen und Französischen). In den 1980er Jahren veröffentlichte er eine kommentierte Anthologie mit einigen der wichtigsten Werke von Mikhail Bakhtin in schwedischer Übersetzung. Bakhtins Werk ist seither eine bleibende Inspirationsquelle für ihn. Von 1989 bis 1994 war Johan Öberg Chefredakteur der Kulturzeitschrift Ord&Bild.
Von 1994 bis 2000 war er Kulturreferent an der schwedischen Botschaft in Moskau. Dort leitete er unter anderem gemeinsam mit der russischen Übersetzerin Yuliana Yakhnina ein äußerst aktives Übersetzerseminar für schwedische Literatur ins Russische. 1997 veröffentlichte er in Ord&Bild den Reiseessay „En vinterresa till Kiev och Odessa“ (Ord&Bild 1:1997), der von einer langen und langsamen Reise nach Kyjiw und Odesa berichtet. Bis 2019 war er an der Universität Göteborg als Berater im Bereich der künstlerischen Disziplinen tätig und wirkte maßgeblich an der Entwicklung der künstlerischen Forschung (artistic research) mit – unter anderem durch die Forschungszeitschrift ArtMonitor sowie durch Konferenzen, Seminare und Publikationen. Dazu zählen beispielsweise „Difference or Différance“ (für einen Überblick siehe Art and Artistic Research: Music, Visual Arts, Design, Literature, Dance, hrsg. von Corina Caduff, Fiona Siegenthaler und Tan Wälchli, Zürich 2010) sowie eine methodische Bestandsaufnahme von Lehre und Forschung im Fach Literarisches Schreiben/Poetik in dem von Josef Haslinger und Hans Ulrich Treichel herausgegebenen Band Schreiben lernen – Schreiben lehren (Fischer Taschenbuch, 2006). Von 2012 bis 2015 leitete Johan Öberg die Arbeit der Abteilung für Literarisches Schreiben an der Valand Academy. Dort gründete er einen Masterstudiengang für literarisches Übersetzen, der sich inzwischen einen ausgezeichneten Ruf erworben hat. In den Jahren 2015 bis 2017 leitete Johan Öberg im Auftrag des Universitätsrektors die Entwicklung eines neuen integrierten Universitätscampus in Göteborg (Näckrosen).
Johan Öberg übersetzte unter anderem Texte von Lev Rubinstein (Ryska dagsedlar, Ersatz, 2015, Essaysammlung), den Essayband Gruvgas (Sentir le Grisou, Daidalos, 2015) des französischen Kunsttheoretikers Georges Didi-Huberman sowie Mikhail Yampolskys Förlusten av framtiden. En essä om kultur, tid, rytm (Bez Budushego. Kultura i vremja, Anthropos, 2020). 2021 erschien eine von Johan Öberg, Kajsa Öberg Lindsten und Lars Kleberg übersetzte Auswahl von Gedichten Lev Rubinsteins (Ersatz). 2023 übersetzten er und Kajsa Öberg Lindsten Rubinsteins konzeptualistische Erinnerungen Mor var rar (Mama myla ramu, Ersatz). Zuletzt steuerte er Übersetzungen und einen Essay zu der Anthologie Poems. A Book for Ukraine (hrsg. von Helga Krook und Karin Brygger, Korpen, 2022) sowie einen Essay über das Literaturtreffen SlovoNovo in Montenegro (Ord&Bild, 6:2024) bei. Im September 2025 veröffentlichte der Verlag Korpen seine Übersetzungen der Gedichte von Yuli Gugolev unter dem Titel Fullständigt samlade dikter. Ebenfalls 2025 war er Mitherausgeber der bedeutenden Dokumentation Ett svunnet Bohuslän über den Dialekt und die Geschichte der schwedischen Westküste (gemeinsam mit Aslaug Ott und Jesper Saltebro; Korpen, 2026).
Zu seinen jüngeren Veröffentlichungen zählen: „A question of complexity and politics – Olof Palme and the Soviet Union“ in Framtidsarvet (hrsg. von Ulf Bjereld und Ulf Carmesund, Korpen, 2016); „58°42’4″N 11°20’8″E, Felsritzungen zwischen Ahnenerbe und Kulturtourismus“ in Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder (Wien, Oktober 2017; später auch in der Zeitschrift Glänta); der umfangreiche Essay „The romantic Moscow conceptualism meets the 1990s“ über den russischen Konzeptualismus in Aiolos Nr. 72–73 (Dezember 2021); „The origin of the Slavs and the rise of Russia“ (Dixikon, Oktober 2022) sowie das Buch Bob says: Bergsjön (Daidalos, 2022), das sich mit sozialem und künstlerischem Protest in einem schwedischen Vorort beschäftigt und an dem Johan Öberg als Mitherausgeber und Mitautor beteiligt war.
Derzeit arbeitet Johan Öberg an einer neuen Sammlung von Übersetzungen der Lyrik und Prosa von Boris Pasternak. Johan Öberg ist Mitglied des Schwedischen Schriftstellerverbands (Swedish Writers‘ Association) sowie des schwedischen PEN-Zentrums (Swedish PEN).