© Stefan Klueter, Privat

Juri Andruchowitsch (Ukraine) und Claudia Dathe (Deutschland)

Die „Ukrainische Bibliothek“

Die „Ukrainische Bibliothek“ stellt in acht Bänden die bekanntesten Klassiker des ukrainischen literarischen Erbes des 19. und 20. Jahrhunderts vor. Zwei dieser Bände werden präsentiert: Taras Schewtschenkos Flieg mein Lied, meine wilde Qual und Wer will mich hindern, die Welt zu verkehren? mit Gedichten, Manifesten und Prosatexten von Mychajl Semenko aus den 1910er- bis 1930er-Jahren.

Durch seine Dichtung und Malerei avancierte Taras Schewtschenko zum Symbol des ukrainischen Widerstands gegen das Russische Imperium im 19. Jahrhundert. In einem Gedicht kritisierte er Zar Nikolaus I. – und wurde mit lebenslangem Militärdienst sowie Mal- und Schreibverbot bestraft. Schewtschenko zeichnet seinen Lebensweg zwischen Verbannung am Kaspischen Meer und künstlerischer Entfaltung in Sankt Petersburg, zwischen Widerstand und Unterdrückung in Gedichten und Tagebuchnotizen aus den 1840er- bis 1860er-Jahren. „Für die Ukrainer ist Schewtschenko Luther, Kant und Goethe in einem“, so der Herausgeber Juri Andruchowytsch. Der Band enthält Schewtschenkos wichtigste Gedichte sowie Auszüge aus seinem Journal, das 1857/58 in der Verbannung in entlegenen Garnisonsstädten Zentralasiens entstand.

Der ukrainische Futurist Mychajl Semenko begehrt auf: gegen traditionsverhaftetes Denken in seinem Land, gegen das Verharren im gesellschaftlich Überkommenen. Gegen den Nationaldichter Taras Schewtschenko wettert er: „Ach, mit dir ist es öde … Ich will nicht mit dir reden. Ich schäme mich für dich, Mann …“ Er erschafft eine moderne, urbane Poesie, mit der er insbesondere Erhabenes und Alltägliches im Kyjiw der späten 1910er- und frühen 1920er-Jahre facettenreich einfängt. Semenko steht für den Aufbruch der ukrainischen Kultur in den 1920er-Jahren – ein Aufbruch, der mit der Herrschaft Stalins in den 1930er-Jahren ein jähes Ende fand.

Eintritt: 10€/ ermäßigt 8€

25.09.26 20:00